Ich bin Change-Profi. Und habe letzte Woche ziemlich offensichtliche emotionale Change-Ausschläge komplett unterschätzt.
Bei uns zu Hause wechseln gerade gleich drei Kinder ihre Systeme.
Unser Jüngster wird heute eingeschult. 🎒
Der Große ist letzte Woche in die Oberstufe gestartet: Klassenverband weg, Kurssystem da. Neue Menschen, neue Konstellationen – plus einiger Aufregung um seine Fächerwahl (trotz angegebenen Studienwunsch Erst- und Zweitwahl erstmal nicht erhalten), die dazu führten, dass wir kurzfristig noch einen möglichen Schulwechsel ausgelotet haben.
Und unser Mittlerer?
Seine Schule hat die Klassen in der 7. Klasse nach dem in Hamburg üblichen “Aussieben” neu zusammengesetzt. Sein vertrauter Klassenverband ist Geschichte. Selbst sein engster Freund, mit dem er seit Kindergarten und vor allem der ersten Klasse fast jeden Nachmittag verbringt und lernt, ist jetzt in einer anderen Klasse, wie alle sein anderen Freunde auch (Kinderwünsche wurden nicht berücksichtigt).
Ich wusste natürlich, dass all das passiert.
Und dennoch habe ich mal wieder gemerkt, wie stark solche Systemwechsel emotionale Belastungen auslösen. Hier bekommen wir sie ja im Gegensatz zu Organisationen komplett ungefiltert zu sehen. Eigentlich erstaunlich. Denn genau darüber spreche ich beruflich ständig.
Menschen wechseln Teams. Projekte werden neu aufgesetzt. Rollen verändern sich. Vertraute Kolleg:innen verschwinden. Neue Strukturen entstehen.
Auf dem Papier heißt es dann: „Reorganisation abgeschlossen.“ Für den einzelnen Menschen kann es heißen:
Wo gehöre ich jetzt hin?
Wem kann ich vertrauen?
Wie finde ich meinen Platz?
Was von dem, was mir Sicherheit gegeben hat, gilt noch?
Das braucht Energie. Und es braucht Führung, die neben Aufgaben, Prozesse und Zuständigkeiten vor allem auch das emotionale Gepäck im Blick hat, das Menschen mitbringen.
In einem HR-Workshop letzte Woche mit HR Business Partner:innen kam noch ein wichtiger Punkt dazu: Emotional Care Work findet nicht nur im Unternehmen statt.
Menschen begleiten gleichzeitig Kinder, Partner:innen oder Eltern durch Veränderungen. Gerade Ende August und Anfang September wissen viele Eltern ziemlich genau, wovon ich spreche: Schulstarts, neue Klassen, Eingewöhnungen, Elternabende – parallel zum ganz normalen Arbeitsalltag.
Wir sehen davon im Büro oft wenig. Die Energie kostet es trotzdem. Deshalb mein Plädoyer für Führung in Veränderungsphasen:
Schafft Freiräume. Seid flexibel. Und unterschätzt nie, wie viel Kraft ein Systemwechsel kostet, selbst wenn er von außen klein aussieht.
Gute Führung ist nicht die nächste Change-Methode. Sondern die Frage: Was brauchst du gerade, um hier gut anzukommen?
Wie erlebt ihr System- und Teamwechsel – bei euch selbst oder bei euren Mitarbeitenden?
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