„Mach den Konflikt weg.“ Ein verständlicher Wunsch. Und ein Auftrag, den wir leider so nicht annehmen können.
Am Freitag war ich beim Berliner Mediationstag von the knaps mit Peter Knapp und Klaus Eidenschink. Ich bin schon lange Fan von Klaus’ Buch „Die Kunst des Konflikts. Konflikte schüren und beruhigen lernen“. Dieser Tag hat das Thema für mich noch einmal ein Stück tiefergelegt. Zehn Thesen, die an vertrauten Annahmen rütteln: Konflikte sind lebensnotwendig und unausrottbar. Konflikte wie Konsens können nützlich und schädlich sein. Und: „Jede Problemlösung schafft neue Lösungsprobleme“. Allein die Zitate vom Tag würden mehrere Posts füllen.
Da gerät die häufig angenommen Gleichung „Frieden ist gut, Konflikt ist schlecht“ ziemlich ins Wackeln. Es geht um Regulation. In beide Richtungen: die Heizung herunterdrehen können. Und manchmal auch hoch. Beispielsweise damit ein eingefrorener Konflikt überhaupt wieder bearbeitbar wird.
Besonders wertvoll fand ich die konkrete Arbeit mit tollen Kolleg:innen mit den neun Leitunterscheidungen der Konfliktdynamik aus dem Buch. Wir haben eigene und begleitete Konflikte systematisch untersucht: Welche Kommunikationsmuster halten den Konflikt am Leben? Welche Möglichkeiten werden genutzt, welche bleiben ausgeschlossen? Was könnte sich verändern, wenn wir genau diese wieder einbringen?
🐅 Der Konflikttiger hat eben ein Eigenleben. Mit jeder weiteren Kommunikation stellt sich die Frage: Was füttern wir da gerade? 🥩
Und dann mal wieder der Blick auf mich selbst als Mediatorin: Welche Muster bringe ich mit? Muss ich verständnisvoll sein? Muss ich sofort vermitteln? Kann ich klar widersprechen, etwas offenhalten oder eine Zumutung stehen lassen? Für mich steckt darin eine wichtige Frage, die wir uns immer wieder selbst stellen in der Reflexion: Wie viel Wahlfreiheit habe ich tatsächlich, wenn es schwierig wird?
Hängen geblieben ist auch das Wort „Vernünfte“. Im Plural. Weil „Sei doch mal vernünftig“ erstaunlich oft bedeutet: Denk bitte so wie ich.
Und: Konfliktberatung ist nicht rezeptfähig. Das entspricht sehr meiner Erfahrung. Ich verbinde Wissen, Methoden und Tools aus unterschiedlichen Ansätzen. Entscheidend sind die Haltung dahinter, der Kontakt zum Geschehen und die Bereitschaft, die Wirkung unsere Tuns immer wieder zu prüfen.
Denn wie eine Intervention wirkt, zeigt sich erst in der Antwort des Konfliktsystems.
Ein unglaublich reicher Tag. Mit viel Stoff zum Weiterdenken und wunderbaren Begegnungen: Antje Näder dank farbenfrohen Kleidung kennengelernt (pink + blue is a match), Tina Tonndorf, Bettina Ehmer, Ron Gorlick und Pablo Mees sowie Sonja Sinz wiedergesehen und Kristin Heldewig wieder getroffen, bei der ich in zwei Wochen zum Deep Dive Gruppenmediation mit Katharina Krentz und Dennis Mundkowski bin.
Danke, Peter und Klaus. Ich nehme viel mit: für die Konfliktbegleitung, die Arbeit mit den von uns begleitenden Teams und den ehrlichen Blick Konflikte in alle Richtungen.