Zwei Menschen. Dieselbe Aufgabe. Derselbe mögliche Gewinn. Und völlig unterschiedliche Kosten im Kopf. Manche Menschen sehen eine Aufgabe und legen los. Andere denken erst einmal unter hohem Hirnaufwand darüber nach, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt (sic!).
In einer Huberman-Lab-Folge mit dem Neurowissenschaftler Prof. Masud Husain (Oxford) bin ich an einem Experiment hängen geblieben: Probanden mussten entscheiden, ob eine bestimmte Belohnung einen bestimmten Aufwand wert ist.
🧠 Das Überraschende: Menschen mit stärker ausgeprägter Apathie zeigten bereits während dieser Abwägung mehr Aktivität in Gehirnregionen, die an der Vorbereitung von Handlungen beteiligt sind. Einfach gesagt: Schon die Entscheidung, ob sich eine Anstrengung lohnt, scheint für manche Menschen eine höhere Aktivierungshürde zu sein. Wer dagegen weniger neuronale Energie aufwenden musste, zeigte mehr spontane Tatkraft.
Das ist grad für Führung in Veränderungen relevant. Denn wenn jemand zögert, nicht ins Tun kommt oder immer wieder nachfragt, sind wir schnell bei: „Der will nicht.“ Dabei könnten wir fragen: Lohnt sich das Ziel? Wie stehen Belohnung und Aufwand aka (Hirn-)Energie zueinander? Und was macht den ersten oder nächsten Schritt gerade so schwer?
Sechs Dinge, die dabei ganz pragmatisch helfen können (übrigens auch bei uns selbst, sollte es unser Gehirn sein, das grad „nicht will“ 😉 ):
1. Den ersten Schritt definieren.
„Was kannst du als Erstes fertigstellen?“ Je konkreter der Einstieg, je kleiner die Schritte, desto leichter.
2. Entscheidungen reduzieren durch Prios.
Fünf Prioritäten sind keine Prioritäten! Klar sagen, was jetzt zählt und was bewusst warten darf.
3. Die Hürde finden.
Fehlt Wissen? Klarheit? Sicherheit? Zeit? Oder ist die Aufgabe schlicht zu groß? Erst wenn ich weiß, was erschwert, kann ich unterstützen oder loslegen.
4. Den Nutzen konkret machen.
Gerade im Change steht „Was wird besser“ gern erst auf Folie 37, während der Aufwand jeden Morgen sehr real am Schreibtisch sitzt. Was wird für Personen oder Team tatsächlich besser, wenn wir das tun?
5. Weniger mit sich selbst verhandeln.
Wenn ich selbst festhänge: Aufgabe verkleinern und anfangen. Dokument öffnen und drei Stichpunkte schreiben. Sportschuhe bereits abends hinstellen, nicht mit sich selbst diskutieren und zehn Minuten raus. Danach darf ich neu entscheiden.
6. Reibung minimieren
Alles, was zusätzlich Aufwand ist, erhöht die Hürde. Also: Informationen vorher besorgen, Zugänge klären, Termine blocken, Material bereitlegen, Ablenkungen ausschalten. Manchmal braucht es nicht mehr Disziplin, sondern weniger Hindernisse.
Manchmal arbeiten wir mehr daran, Motivation zu erhöhen, obwohl es wirksamer wäre, den Aufwand zu reduzieren. Für die Menschen, die wir führen. Und für uns selbst.
Was senkt bei dir oder deinem Team die Hürde zwischen „Ich müsste“ und „Ich mache“?
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Bild: AI