Grad in agilen oder Expertenteams höre ich häufig sowas wie: „Bei uns sind alle gleich.“ Ich wünsche mir, dass das stimmt. Zumindest in einem Punkt.

Denn wir sind alle gleichwürdig. Unsere Würde ist nicht verhandelbar. Sie hängt weder von einer Position noch von Leistung oder Einfluss ab. Das ist nicht nur eine Haltung, sondern auch der Geist unseres Grundgesetzes. Augenhöhe auf der menschlichen Ebene? Gerne.

Und gleichzeitig stimmt der Satz eben nicht. Wir sind nicht gleich!
Nicht in unserer Rolle.
Nicht in unserer Verantwortung.
Nicht in unserem Einfluss.
Nicht in unserer Macht.
Nicht in unserem Status.

Die Sozialpsychologie zeigt seit Jahrzehnten, dass Menschen in Gruppen nahezu automatisch Statushierarchien bilden, unabhängig davon, wie egalitär sie sein möchten. Status und Macht strukturieren Zusammenarbeit. Sie beeinflussen, wer spricht, wem zugehört wird, wessen Fehler eher verziehen werden und wer sich traut, eine andere Meinung zu äußern.

Genau deshalb wird es problematisch, wenn wir so tun, als gäbe es diese Unterschiede nicht. Denn was nicht besprechbar ist, verschwindet nicht.

Es wirkt im Verborgenen: als Neid. Als Beschämung. Als Ausgrenzung.
Als stille Anpassung. Oder als Schweigen.

Teams sind dann besonders lernfähig , wenn Dinge offen angesprochen werden können. Dazu gehört auch, über Macht, Status und unterschiedliche Einflussmöglichkeiten sprechen zu dürfen.

Augenhöhe ist nicht die Abwesenheit von Hierarchie. Vielleicht bedeutet Augenhöhe vielmehr, Hierarchien bewusst wahrzunehmen, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen und sie besprechbar zu machen. Denn Gleichwürdigkeit entsteht nicht dadurch, dass wir Unterschiede leugnen. Sie entsteht dadurch, wie wir mit ihnen umgehen.

Wie sprecht ihr in euren Teams über Macht, Status und Einfluss? Oder ist genau das noch immer ein Tabu?

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