Kennst du das? Jemand erklärt dir seine Sicht, du hörst aufmerksam zu – und automatisch wird erwartet, dass du auch zustimmst.
Psychologisch kennen wir die sogenannte „Ja-Kette“ (bekannt aus jedem verkaufspsychologischen Training):
👉 Verstehen = Ja.
👉 Verständnis = Ja.
👉 Zustimmung = Ja.
Das klingt logisch – ist in der Praxis allerdings ein leichte Falle, in die wir schnell in der Führung tappen, wenn es beim letzten Punkt ein Nein gebraucht hätte. Egal aus welchem Grund.
Und selbst wenn ich dann am Ende „Nein“ sage fühlt es sich auch noch innerlich „komisch“ an, da ich ja selbst meine automatische Ja-Kette unterbreche.
Autopilot abschalten heisst hier: Ich kann dich sehr wohl verstehen, ich kann dir Verständnis entgegenbringen – UND GLEICHZEITIG muss ich dir nicht zustimmen.
Gerade für Führungskräfte ist dieser Unterschied entscheidend.
Ich nutze oft die kommunikative Variante:
„Ja…., ja…. UND GLEICHZEITIG stimme ich dir nicht zu / brauchen wir als Team / als Organisation was anderes.“
Führung ist bewusster Umgang mit Spannung. Diese Satzkomponenten schaffen Klarheit. Sie wahren die Beziehung, zeigen Empathie – und ziehen gleichzeitig klare Grenzen, wo notwendig.
🔎 Warum ist das so wichtig?
Wer nur auf Zustimmung setzt, überkompensiert ggf. den verständlichen Wunsch nach Harmonie und grenzt zu wenig ab, obwohl System, Team oder Du selbst als Führungskraft was anderes gebraucht hätte(st).
Wer nur auf Abgrenzung setzt, verliert Vertrauen.
Die Kunst liegt dazwischen: zuhören, spiegeln, verstehen, vielleicht Verständnis aufbringen für die Perspektive des anderen. Und dann ganz bewusst entscheiden, ob Zustimmung folgt oder nicht.
💡 Mein Praxis-Tipp für dich:
Beim nächsten schwierigen Gespräch probier einmal aus, den Satz „Ich verstehe dich, und gleichzeitig stimme ich nicht zu“ bewusst einzusetzen.
👉 Wie gehst du in deinem Führungsalltag mit Situationen um, in denen du verstehen möchtest – ohne zuzustimmen?