Laissez-faire-Führung hat ein gutes Image. Sie klingt nach Vertrauen, Selbstorganisation, Augenhöhe. Und ja: sie fühlt sich im ersten Moment oft leicht an. In meiner Praxis in Team- und Organisationsbegleitung erlebe ich allerdings etwas anderes: Je „lässiger“ geführt wird, desto mehr entstehen Unsicherheiten in Zielen, Zuständigkeiten und Kommunikation. Und deutlich mehr Konflikte. Spannende Kommunikationsmuster dazu. Erwartungen bleiben implizit. Zielbilder sind zwischenmenschlich diffus.
Die Forschung bestätigt das erstaunlich klar.
Meta-Analysen (u. a. Judge & Piccolo, 2004) zeigen konsistent:
Laissez-faire-Führung hängt negativ mit Zielerreichung, Leistung und Zufriedenheit zusammen. Studien von Skogstad et al. (2007) weisen zusätzlich auf mehr Rollenkonflikte, Stress und sogar Mobbing hin. Kann ich aus meinen Begleitungen voll bestätigen.
Warum halten wir trotzdem daran fest?
Weil Laissez-faire kurzfristig Autonomie signalisiert. Und Autonomie ist ein psychologisches Grundbedürfnis (Deci & Ryan, Self-Determination Theory; Klaus Grawe, psychologische Grundbedürfnisse). Menschen fühlen sich ernst genommen. Diese Art der Führung wirkt auf den ersten Blick modern.
Das Problem entsteht nicht beim Loslassen. Das Problem entsteht beim fehlenden Rahmen. Ohne Klarheit am Anfang wird Freiheit zur Projektionsfläche für eigene Themen. Ohne Reflexion am Ende bleibt Lernen aus.
Ohne Beziehungsarbeit werden Spannungen schnell persönlich. Wir werden erstaunlich oft zu Konflikten gerufen, wo eher nachlässig geführt wird.
Deshalb arbeite ich lieber mit einem anderen Prinzip, DEM Führungsdenkmodell aus Norwegen Rune Ulvnes Susanne Ringen TLT Institute ❤️ :
Tight – Loose – Tight
1️⃣ Tight am Anfang:
Klare Zielbilder. Gemeinsame Hypothesen. Effekte auf den Kunden. Erwartungen transparent machen. Rollen klären. Zusammenarbeit besprechen.
2️⃣ Loose in der Umsetzung:
Verantwortung an das Team übergeben. Spielräume öffnen. Vertrauen zeigen. Loslassen
3️⃣ Tight am Ende:
Ergebnisse und Effekte einholen und reflektieren. Wirkung auf Kund:innen anschauen. Lernen sichern.
Übrigens: beim Thema Beziehung, Kommunikation und guter Umgang miteinander bleibt Führung immer Tight.
Clarity is kind: Klarheit in der Führung mit bewussten Zeiten des Loslassen.
Meine Erfahrung ist: Teams erleben das als deutlich sicherer. Konflikte werden weniger und sachlicher. Zielerreichung steigt. Und Autonomie bleibt erhalten, nur eingebettet in einen klaren Rahmen. Die psychologische Sicherheit steigt.
Vielleicht ist das der eigentliche Reifegrad von Führung: Nicht Loose-Loose-Loose „laufen lassen“. Sondern bewusst TIGHT rahmen und bewusst LOOSE freigeben.
Wie erlebst Du (vernach-)lässige Führung in Deinem Umfeld?
Wo kippt Freiheit in Unklarheit, und was hilft Dir, das aufzufangen?
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