Sonntag. Volleyball Jugendliga U18. Volleyball Mama-Dasein. Ich sitze in der Halle und habe große Freude daran, einfach nur zu beobachten.

Was mich an dem Spiel fasziniert, ist weniger der Punktestand (knapp verloren) als die Psychologie und Dynamik zwischen den Ballwechseln. Diese wenigen Sekunden nach einem Fehler, in denen sich entscheidet, ob ein Team auseinanderdriftet oder enger zusammenrückt. Volleyball ist aus sportpsychologischer Sicht in besonderem Maße ein Spiel, in dem psychologische Haltung, kollektive Emotionsregulation, Teamdynamik und der konstruktive Umgang mit Fehlern leistungsentscheidend sein können.

Ein misslungener Aufschlag. Eine unglückliche Annahme. Ein Ball, der knapp ins Aus geht: Im Volleyball ist jeder Fehler sofort sichtbar und wird unmittelbar bestraft, ein Punkt für den Gegner. Und doch ist es nicht der Fehler selbst, der über den weiteren Verlauf entscheidet, sondern die Haltung, mit der er kollektiv beantwortet wird.

Ich beobachte, wie manche Spieler kurz die Schultern hängen lassen, wie andere sofort klatschen, umarmen, Blickkontakt suchen, ein „auf geht’s“ rufen. Diese Mikrointeraktionen dauern vielleicht drei Sekunden, und sie sind kulturprägend.

Die Sportpsychologie beschreibt genau diesen Moment als kritisch für kollektive Selbstwirksamkeit und Teamkohäsion. Teams, die es schaffen, Fehler als Teil des Spiels zu integrieren, bleiben handlungsfähig. Sie verschwenden weniger Energie auf Schuldzuschreibungen und mehr auf die nächste Aktion.

Und damit sind wir mitten in der Organisationsrealität. Auch in Unternehmen sind „Fehler“ oft öffentlich sichtbar: eine Entscheidung, die nicht trägt, ein Projekt, das stockt, eine Präsentation, die nicht überzeugt. Die Frage ist selten, ob so etwas passiert. Die entscheidende Frage ist, was in den Sekunden danach geschieht.

Amy Edmondson spricht von psychologischer Sicherheit als dem geteilten Glauben, dass niemand bestraft oder bloßgestellt wird, wenn er oder sie ein Risiko eingeht oder einen Fehler macht. In der Halle sehe ich, wie sich dieser abstrakte Begriff konkret anfühlt: der Ted Lasso Goldfischmoment 🐠 im Schulterklopfen, im kurzen Lächeln, im gemeinsamen Fokussieren auf den nächsten Ball.

Führung und Teamdynamik zeigt sich genau dort. In diesen Mikroreaktionen. In der Fähigkeit, Energie im System zu halten, statt sie durch Vorwurf oder Rückzug versickern zu lassen.

Vielleicht ist Volleyball deshalb ein so gutes Trainingsfeld für Teamdynamik und die Teens ein Vorbild für uns: Niemand kann allein gewinnen, jeder Ball ist ein Gemeinschaftswerk, und Resilienz entsteht im Zusammenspiel.

Ich frage mich beim Zuschauen oft: Wie reagieren wir in unseren Organisationen nach einem verlorenen Punkt?
Bleiben wir im Fehler hängen oder spielen wir den nächsten Ball?

Wie erlebst du diese „Drei-Sekunden-Momente“ in deinem Führungsalltag?

HashtagLeadership HashtagFührung HashtagTeamdynamik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert