„Es ist doch unfair, dass immer wir die Mehrarbeit tragen!“
„Warum werden andere gefragt – und wir nicht?“
„Die bekommen Anerkennung, und wir sollen einfach nur mitziehen?“
Kommen dir solche Sätze bekannt vor?
(Klagen über Ungerechtigkeit – Post 8 der Serie: Die 8 Archetypen der inneren Sprache)
Ich höre diese Stimmen in fast jedem Change-Projekt. Manchmal laut, manchmal subtil. Und ehrlich gesagt: Ich finde sie unglaublich wertvoll
Denn hinter Klagen über Ungerechtigkeit steckt der Wunsch nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Wirksamkeit.
Das Spannende ist:
In der Evolution diente dieses Verhalten einem höheren Zweck.
Wenn Menschen in Stammesgruppen unfair behandelt wurden, suchten sie Verbündete.
👉 Wer Missstände ansprach, stärkte Allianzen.
👉 Gemeinsame Empörung war sozialer Kitt – sie schützte die Gruppe vor Machtmissbrauch.
Die Forschung zur Fairness- und Kooperationspsychologie zeigt:
Unser Gehirn reagiert auf Ungerechtigkeit mit denselben Aktivierungsmustern wie auf körperlichen Schmerz. Die Region, die aktiv wird, ist die Insula – unser neuronales Frühwarnsystem für soziale Bedrohung. Und: Wenn wir Fairness erleben, belohnt uns das Gehirn mit Dopamin.
Neuropsychologisch spannend: „Ärger über Ungerechtigkeit“ unterscheidet sich messbar von gewöhnlichem Frust. Es werden zusätzliche Netzwerke aktiv, die auf soziale Bewertung und Handlungsentscheidung spezialisiert sind Der Ärger über Ungerechtigkeit ist ein sozial-intelligenter Kompass, der aufzeigt, wo Normen und Systeme aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Das Bedürfnis dahinter: Gerechtigkeit, Wirksamkeit, Teilhabe.
Was höre ich in Organisationen?
„Warum werden Entscheidungen immer oben getroffen?“ → Bedürfnis nach Mitsprache.
„Andere bekommen Anerkennung, obwohl wir die Arbeit machen.“ → Wunsch nach Fairness.
Transformationspfad:
Adaptiv: Klage über Ungerechtigkeit markiert ein Ungleichgewicht – sie sichert kollektives Lernen.
Maladaptiv: Dauerkritik, Opferhaltung, Polarisierung.
Transformativ: Empörung in Handlungsenergie kanalisieren. Allianzen bilden, Regeln gestalten, Beteiligung ermöglichen.
Praxisimpulse für den Alltag:
👉 Im Coaching: Klagen über Ungerechtigkeit helfen Bedürfnisse zu erfüllen.
👉 In Führung: Fairness aktiv gestalten – Transparenz, Einbezug, nachvollziehbare Entscheidungen. Und: Ungerechtigkeit anerkennen, wo sie erlebt wird.
👉 In Change: Strukturen schaffen, die Beteiligung ermöglichen.
Empörung ist Energie, sie zeigt, wo Systeme unausgewogen sind.
Wenn wir diese Stimmen hören und ernst nehmen, entsteht Vertrauen.
Echte Veränderung braucht Gerechtigkeit – oder zumindest das Gefühl, dass sie angestrebt wird.+
Welche Fairness-Stimmen hörst du in deinem Alltag – und was machen sie mit dir?
👉 Dieser Post ist Teil meiner Serie zu den 8 Archetypen der inneren Sprache.