Warum wir manchmal loslassen müssen, um Wachstum zu ermöglichen

22 Kilo Gepäck. Eine Axt. Ein Messer, das man in Deutschland nicht mal legal mitführen darf (ausser als Pfadfinder). Und ganz viel Vertrauen.
Unser mittlerer Sohn ist seit heute zum zweiten Mal auf großer Pfadfinderfahrt. Zweieinhalb Wochen draußen in Schweden, der Sippenleiter der einzige Erwachsene mit 18, sieben 11jährige Kids, 60 km durch Smaland zu Fuß. Kochen am offenen Feuer in der Kothe. Schlafen im Wald. Waschen im See. Verantwortung für sich und andere übernehmen. Abenteuerlich. Körperlich. Echt.

Gleichzeitig bekommen wir, Florian Adler und ich, von der kanadischen Schule unseres Ältesten drei eng bedruckte Seiten zur Unterschrift: Erlaubnis für „High-Risk Activities“, u.a. für das WILD-Outdoor-Programm im nächsten Schuljahr. Fast dieselben Aktivitäten – aber ganz offiziell als Gefahrenquelle gelistet.

Ich verstehe beide Perspektiven. Und frage ich mich dennoch:
Wann wurde jugendliches Entdecken der Natur zur Risikozone – und das Sitzen vor Bildschirmen zur Sicherheitszone?

Der amerikanische Psychologe Jonathan Haidt (Buchempfehlung!) weist darauf hin, dass genau das das viel größere Risiko ist: Wir lassen Kinder nicht mehr lernen, was echtes Risiko bedeutet. Kein Ausprobieren. Kein Ringen. Kein Stolpern. Und so kein inneres Wachsen.
Was ist verantwortungsvolle Erziehung heute? Eine Diskussion, die ich gerne führe. Meine 50 cent:

☀️ Vertrauen schenken, statt nur zu kontrollieren.
☀️ Mentale Gesundheit stärken – durch reale Erfahrungen.
☀️ Kinder loslassen – nicht ins Beliebige, sondern ins Gehaltene mit vertrauten Menschen oder Gruppen.
☀️ Risiko wieder differenziert denken: Nicht als Gefahr, sondern als Lernfeld.

Denn gefährlich wird die Welt nicht, wenn Kinder mit einem Messer einen Stock schnitzen. Sondern wenn sie nicht wissen, wie das richtig geht. Wenn sie nicht gut ausgerüstet im Berg unterwegs sind. Oder wie man sich draußen sicher verhält.

Auch in Organisationen erleben wir manchmal eine paradoxe Risikokultur, grad in Veränderungen begegnet mir das öfter:
Wir sichern uns ab, bevor wir uns überhaupt bewegen. Verlieren dabei das Gespür für echte Risiken – und echte Entwicklungsmöglichkeiten.

👉 Für mich sind die Abenteuer unserer Kinder eine Erinnerung daran:
🌟 Risiko ist nicht gleich Gefahr.
🌟 Vertrauen ist nicht Naivität.
🌟 Und Wachstum beginnt dort, wo Kontrolle endet.
Tight Loose Tight lässt grüßen.

Was wäre, wenn wir auch im Arbeitskontext öfter sagen würden:
Ich vertraue dir. Probier dich aus. Du darfst wachsen – auch wenn’s staubt und scheppert. Axt im Bein lassen wir allerdings lieber sein.

Ich wünsche mir mehr Mut zum Risiko.
Nicht im blinden Sinne. Sondern im echten, verantwortungsvollen.
Denn nur dort entsteht Stärke – bei unseren Kindern. Und in unseren Teams.

Wie siehst Du das Thema?

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