Flurfunk abschalten? Besser: gezielt nutzen – und klug bespielen

Er ist schneller als jede Rundmail, hartnäckiger als jeder Newsletter – und meist wirksamer als Townhalls: der Flurfunk.
Und ja – ich meine genau diesen inoffiziellen, manchmal wild wuchernden Informationskanal, der in Organisationen oft als „Gerüchteküche“ oder „Buschfunk“ belächelt (oder gefürchtet) wird.

Doch statt ihn zu verteufeln (oder der Wunsch ihn abzuschalten, kam echt schon mal, geht natürlich nicht), lohnt es sich, ihn als das zu sehen, was er wirklich ist:
Ein Seismograph für Stimmung. Ein Multiplikator für Emotionen. Ein echter Kommunikations-Kanal – nur eben ohne offizielles Siegel.

💡 In meiner Zeit in der internen und Change-Kommunikation haben wir den Flurfunk strategisch in Plänen mitgedacht. Wir haben überlegt:
☀️ Welche Gespräche könnten wir anstoßen, welche Geschichten können wir erzählen – zum Beispiel an der Kaffeemaschine?
☀️ Welche informellen Leader:innen können wir einbinden, weil ihnen „eh zugehört wird“?
☀️ Wie können wir Botschaften so formulieren, dass sie auch in Pausengesprächen zünden?

In kurz: Das Wissen nutzen, wie sich Informationen in Wirklichkeit durch die Organisation bewegen.

🎧 Und: Zuhören hilft.
Die besten Change-Impulse und -Rückmeldungen gibt es bis heute, wenn wir uns Zeit für Gespräche nehmen – ohne Agenda.
☕ Ein verlängerter Aufenthalt an der Kaffeemaschine oder im Foyer.
🐸 Ein bewusst angestoßener „F.R.O.G.“ – Firmenrundgang ohne Grund.

Weil man da hört, was wirklich zählt: Wo ist Unklarheit? Was verunsichert? Wo herrscht Zuversicht? Was bewegt Menschen – jenseits der offiziellen Statements?

📚 Die Forschung bestätigt diesen Ansatz für Veränderungen übrigens auch deutlich:
💡 Eine aktuelle Studie (Rivero, 2022) zeigt: In Phasen der Unsicherheit suchen Mitarbeitende aktiv nach Infos über Gerüchtekanäle. Ohne offizielle Kommunikation entstehen Mythen – und die Veränderungsbereitschaft sinkt. Transparenz und frühzeitiges Reagieren auf Gerüchte sind daher zentrale Führungsaufgaben.
💡 Eine Masterarbeit zur Rolle informeller Netzwerke im Wandel (Springer, 2020) zeigt, wie stark organisationale Identifikation wirkt – sie motiviert Mitarbeitende, Veränderungen aktiv über den Flurfunk mitzutragen. Oder anders gesagt: Wer Wandel gestalten will, sollte den informellen Raum gezielt als Bühne nutzen.

Sprich: Wer Veränderungen begleiten will, muss den Flurfunk nicht abstellen. Besser: anzapfen, verstehen – und vor allem: aktiv gestalten.

❓ Wie gehst du mit Flurfunk in deiner Organisation um? Hast du ihn schon mal bewusst für Veränderung genutzt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert