Niemand im Raum wusste mehr, warum diese Regel galt. Und trotzdem hielten sich alle daran.
Beobachtungsforschung: Fünf Affen. Eine Leiter. Oben Bananen. Jedes Mal, wenn einer hochklettert, werden die anderen nass. Sie lernen schnell: lieber lassen. Es lohnt sich nicht.
Dann werden nach und nach alle Affen im Käfig ausgetauscht. Neue werden geboren, andere wandern an neue Zoos. Irgendwann ist keiner der Affen mehr da, der noch wirklich nass geworden ist. Und trotzdem klettert keiner.
Warum?
Weil man das hier so macht. Diese vermeintliche Forschungs-Geschichte ist übrigens nicht wissenschaftlich belegt. Und gleichzeitig wirkt sie. Weil sie zeigt, wie Narrative funktionieren. Geschichten, die unsere Kultur prägen. Wie aus Erfahrungen Regeln werden. Und wie Regeln bleiben, auch wenn ihr Sinn längst verblasst ist.
In Organisationen begegnet uns Veränderungsbegleitern öfter. Keiner weiß mehr, warum eine Entscheidung so gefällt wurde. Oder warum „das bei uns eben so läuft“. Und gleichzeitig halten sich daran.
📚 Welche Erzählungen wollen wir uns erzählen?
Narrative wirken wie unsichtbare Betriebssysteme. Sie prägen Entscheidungen, Verhalten, Kultur. Nicht im Rückblick, sondern genau JETZT, in diesem Moment.
Erinnerung ist kein Archiv. Sie ist Konstruktion in der Gegenwart. Und ich frage oft: „Ist dieses Narrativ für uns jetzt und die Zukunft unseres Teams, unserer Organisation noch nützlich?“ Und auch wertschätzend: was brauchen wir, damit wir so manches hinter uns lassen können. Persönlich, kollektiv, organisational.
Welche Geschichten wollen wir uns mehr erzählen?
Meine Buchempfehlung dazu: „In Aktanz gehen“. Christine Erlach & Michael Müller beschreiben, wie man hinderliche Narrative in Bewegung bringt.
Nicht, indem man gegen sie anschreibt. Sondern indem man neue Räume schafft. Neue Erfahrungen. Neue Erzählungen. Mit ein bisschen Mut wieder auf die Leiter zu klettern und die Bananen zu holen.
Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Denn jede Botschaft stärkt bestimmte Narrative und lässt andere verblassen. Und da darf jede:r von uns gerne mit sich selbst beginnen.
Die Frage ist:
Welche Geschichten willst du weiterschreiben?
Und welche darfst du loslassen? Was brauchst Du wirklich wirklich dafür? Kognitiv, emotional, kollektiv?
HashtagNarrative HashtagOrganisationsentwicklung HashtagChange HashtagFührung